Digitalisierung, Regulierung und CSR-Anforderungen verändern Unternehmensprofile. Welche neuen Aufgaben kommen auf den Prüfungsausschuss zu?

Angesichts der Digitalisierung, neuer regulatorischer Vorgaben und des öffentlichen Fokus auf Nachhaltigkeit stehen Unternehmen zunehmend neuen Herausforderungen gegenüber. Entsprechend vielfältig gestalten sich die Anforderungen an das Management und den Verwaltungsrat. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle EY-Studie «A view on the current and future role of Audit Committees – impact for Germany, Switzerland and Austria». Befragt wurden Audit-Committee-Mitglieder in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Schweden und Grossbritannien sowie Corporate-Governance-Experten.

«In unserer Studie haben wir festgestellt, wie sehr das Thema Nachhaltigkeit die Mitglieder von Verwaltungsräten und Prüfungsausschüssen beschäftigt», sagt André Schaub, Managing Partner Assurance bei EY Schweiz. Weiter fügt er hinzu: «Nicht zuletzt trägt die Herausforderung des unternehmerischen Umgangs mit Nachhaltigkeit dazu bei, dass sich die Perspektive des Audit Committees vom reinen Financial Reporting hin zum Corporate Reporting wandelt.»

Audit Committees im Wandel

Laut der Studie besteht die grösste gemeinsame Herausforderung für Prüfungsausschüsse in Europa darin, die Balance zwischen den operativen Herausforderungen, einem zeitgemässen Reporting und den sich verändernden Risikoprofilen von Unternehmen zu finden. Doch der hiermit zusammenhängende Veränderungsprozess gestaltet sich von Land zu Land unterschiedlich. So legen Prüfungsausschüsse in Deutschland, der Schweiz und Grossbritannien einen wesentlich stärkeren Fokus auf traditionelle Unternehmensfinanzen, während in Schweden und den Niederlanden bereits vermehrt moderne Risiken, beispielsweise hinsichtlich Cybersecurity, die Arbeit der Ausschüsse prägen.

Für Stakeholder, Investoren und das Management werden zukunftsorientierte Informationen immer relevanter. Für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg muss die zukunftsorientierte Bewertung nichtfinanzieller Risiken das traditionelle Aufgabenspektrum rund um vergangenheitsorientierte Finanzdaten und rechnungslegungsbezogene Kontrollsysteme ergänzen. Laut Analyse mangelt es diesbezüglich bislang jedoch an Wegweisern: «Insbesondere bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung (Corporate Social Responsibility, CSR) suchen Audit Committees noch nach Best Practice samt entsprechenden Tools und Prozessen. Dabei können sie gerade an dieser Stelle entscheidend zum Unternehmenserfolg beitragen, indem sie das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Stakeholder in das Unternehmen erhöhen», betont Dr. Kate Sikavica, Corporate Governance & Board Services Leader bei EY Schweiz.

Schweizer Audit Committees überwachen vermehrt CSR-Arbeiten

Die Leistung der Schweizer Prüfungsausschüsse, welche im Durchschnitt aus vier Mitgliedern bestehen, ist stark an ihre relativ eingeschränkte Rolle gebunden. Daher können sie sich nicht ebenso aktiv mit zukunftsgerichteten Risikofragen befassen wie Prüfungsausschüsse im Ausland. Dies hat sich negativ auf die Bandbreite ihrer Aufgaben ausgewirkt. Infolge des wachsenden Einsatzes der integrierten Finanzberichterstattung in der Schweiz werden die hiesigen Audit Committees jedoch zunehmend in die Überwachung der CSR-Arbeit eingebunden. Dieser Trend erweitert den Kompetenzbereich sowohl von Schweizer Prüfungsausschüssen als auch von der externen Revision und trägt dazu bei, ihre Rolle bei der Beaufsichtigung von nicht-finanzieller Berichterstattung zu stärken.

Neuausrichtung durch Technologie

Neben der neuen strategischen Ausrichtung wird auch das technologische Verständnis zu einem zentralen Erfolgsfaktor der Audit Committees. Dank neuer Technologien wie Data Analytics und Künstlicher Intelligenz, laufen interne und externe Auditprozesse sowie die interne Revision in Zukunft zunehmend digital und automatisiert ab. In der Folge steigen auch die Qualität und Effizienz von Prüfungen. Diese Veränderungen erfordern nicht nur neue Aufsichtsmechanismen, sondern auch die passenden digitalen Kompetenzen der Mitglieder von Verwaltungsrat und Prüfungsausschuss. «Wir beobachten, dass die beratende Funktion für Prüfungsausschussmitglieder immer zentraler wird. Um diese Sparringspartner-Rolle einzunehmen, ist es unerlässlich, dass Audit Committees ihr finanzielles Know-how auch um technologische und strategieorientierte Fähigkeiten erweitern», sagt André Schaub.

Drei Handlungsempfehlungen für Management und Aufsichtsorgane:

  1. Erstellen Sie ein Audit Committee Charter:
    Um den steigenden und immer vielfältiger werdenden Anforderungen an das Audit Committee gerecht zu werden, lohnt es sich, in ein gut strukturiertes Audit Committee Charter zu investieren. Hier kann die Spannweite der Aufgaben, die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten sowie die Arbeitsweise des Audit Committees auch im Zusammenspiel mit der internen und externen Revision formal festgelegt werden.
  2. Überüprüfen Sie regelmässig die fachliche Eignung Ihrer Prüfungsausschussmitglieder:
    Die Mitglieder des Prüfungsausschusses müssen über ein ausreichendes Mass an finanzieller Expertise verfügen. Zudem müssen sie mit genügend Kompetenz ausgestattet sein, um neuen Aufgaben und Risiken erfolgreich begegnen zu können. Dazu gehört auch das immer wichtiger werdende CSR-Reporting und die Beaufsichtigung einer risikoneutralen Nutzung neuer digitaler Tools, Systeme und Prozesse. Regelmässige Weiterbildung kann helfen, die Mitglieder des Prüfungsausschusses auf dem neuesten Stand zu halten. Eine geordnete Nachfolgeplanung stellt sicher, dass das Audit Committee stets über das richtige, zukunftsweisende Skillset verfügt.
  3. Optimieren Sie Ihre Audit Committee Meetings:
    Audit Committe Meetings sollten regelmässig stattfinden und in der Planung den Austausch mit der externen und internen Revision berücksichtigen. Die Traktandenliste spiegelt die Prioritätensetzung des Prüfungsausschusses, auch in Bezug auf neue Themen wie CSR und Digitalisierung: Der Prüfungsausschuss sollte mit ausreichend Vorlaufzeit die vollständigen Unterlagen und eine klar strukturierte Traktandenliste erhalten. Zudem sind sogenannte «private Sessions» mit der externen Revision und unter Ausschluss des Managements abzuhalten. Um die Professionalität und Qualität des Audit Committees zu gewährleisten, sollte das Audit Committee seine Arbeitsweise regelmässig einer Selbstevaluation unterziehen.

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